schreckschuss.
Alles, was schön ist, hat leider auch eine Aschenbecherfunkion.
3.3.07 12:36


wir unterhalten uns über die verzerrte wirklichkeit und siebenundzwanzig verschiedene sichtweisen auf die momentane situation. ich weine vor einer artekolumnistin und finde mich derweil sehr intelligent und besonders. ich argumentiere ununterbrochen durch die eigenständig fabrizierte scheiße und muss mein leben im endeffekt aufgeschrieben oder verfilmt haben, um es intensiv erleben zu können. yann tiersen malt die wände meines zimmers in einem hinreißenden dunkelgrün an, ich ritze mir eine kirmes in den unterarm und sitze auf einer vorstufe der schizophrenie herum. Juli zitiert einen Menschen, dessen Namen sie nicht aussprechen kann: Ich liebe dich so hoch und so tief meine Seele greifen kann. Wir reden vermutlich ununterbrochen von der selben person. drei saitenanschläge und ein grandioser bassist mit irrelevanter kindheit. Zum Zeichen meiner Trauer zeichne ich dein anlitz an die Fensterscheibe. Wir liegen blutig im Dunkeln und sind filmreif. Spektakulär ist unsere Solidarität.

was mir weh tut, muss ich töten.

3.3.07 11:15


ich reiße mir den turban vom kopf. der sarg, in dem ich eingeschlossen bin, steht aufrecht. ich schneide mir die lider von den augen, damit der traum aufhört, aber ich sehe kein blut auf der schere. hinten, oder sehr weit vorn, singt ein vogel den frühling. er ist auch krank.
27.2.07 23:47


Reizende Indianerspielchen am NAchmittag.

"Hast du eventuell ne Zigarette für mich?"

"Klar. Feuer auch?"

"Herzlichen Dank."

"Bist du Künstler oder so was?"

"Ja weiß nicht, so halb, schon irgendwie."

"Cool, hab auch immer Frotage gemacht früher weißte, mit so nem Geldstück und nem Bleistift und da kam auch immer ganz grandioser Scheiß bei raus eigentlich, würdest du mir eventuell eine reinhauen? Würdest du mir eventuell eine reinhauen?"

"Bitte?"

"Ob du mir eine reinhauen könntest, muss gleich son bisschen vergewaltigt aussehen. Würdest dann auch irgendwas dafür kriegen und so, also Kippen oder 7 € vielleicht. Das ist kein Scherz."

"Das meinst du doch jetzt nicht ernst."

"Doch ehrlich. Komm bitte, was willst du dafür? Wir können ähm, lass schnell dadrüben hinlatschen und es muss auch nicht so extrem sein, also, aber ich ficke nicht, das kannste vergessen. "

"Okay, 7 € und warum fickste nicht?"

"Du kannst mit deinem Schwanz machen was du willst, meinetwegen die Küche damit putzen oder den in diese Börseninformationsscheiße auf ZDF halten und ich werde dann Regressionsministerin und verwalte unser Elend kreativ, aber jetzt bitte nicht."

"Also machen wirs hier? Und wie jetzt genau?"

"Ich kann mich ja so hinstellen, ja genau, und du da gegenüber, kenn mich nicht so aus mit Schlägereien."

"Gut, öhm, nicht so hart hast du gesagt ne?"

"Ja, also mach wie du willst mir ist das jetzt eigentlich auch egal."

Krawumm und so.

"Danke."

"Aber ich hab jetzt keine Zeit dich irgendwo hinzubringen oder so, gehts denn?"

"Ja, schon ok."

27.2.07 23:34


"Lauscht die da an einer Muschel?"

"Nee, sie befreit sich momentan aus den Klauen dieser, ähm, Mafiascheiße dort drüben und spielt als linksprogressive kunstfotze verkleidet Federball mit dem Realitätsbegriff. Lieber Schatz:

Ihr Name ist schön, sie studierte zweiunddreißig semester Agrarwissenschaften und überwies ihre zuvor Unschuld auf das Konto eines klischeehaft skizzierten Zuhälters. Sie ist unschlagbar und befreit sich momentan aus den Klauen dieser, ähm, Mafiascheiße dort drüben. In absehbarer Zeit wird sie nach einem anstrengenden Selbstfindungsprozess zur gelernten Zahntechnikerin mit Wiedererkennungswert und Erdgeschosswohnung.

"Spielt diese Mafiascheiße denn eine große Rolle?"

"Sie hat einen Golfschläger ins Publikum geworfen."

27.2.07 23:26


ich bin barfuss.

Und drahtseiltänzer. ich bin ein film und 9 uhr morgens.
Französin, wenn ich stöhne, kleinkind, wenn ich lache;
dein zuhause und dir fremd wie eine neue sprache
(ja, sprache bin ich besonders)
Ich bin gebrochen und geklebt, bin geliebte, religion, und doch weit her geholt.
ich bin gitarre, ein blinzeln, schwarze wolle,
bin alle deine sinne,
ich bin die anderen,
all das hier und nichts davon,
und ein paar zeilen dazwischen.

27.2.07 23:22


Zwischen Raufaser und Wand klebt die Hoffnung fremder Leben.

Während Sophie sich die Textilschere in die Arterie zu rammen versucht um im dazugehörigen Anschluss Hühnersuppe auf dem Küchenboden zu fressen, stelle ich ihr die erste philosophische Frage unseres gemeinsamen Lebens:

“Wie verwalten wir unser Elend möglichst kreativ?”

Wir hängen gemeinsam unsere Herzen im Wohnzimmer auf und tanzen zu aus ihren nostalgischen Kindheitserinnerungen heraus gerissenem Punk. Sie antwort nie und kümmert sich stattdessen lieber um die Biologie performenden Plastikpflanzen im Vorratsschrank.

Sie hat Sex mit Scheißmenschen, während ich meine Unschuld auf ihr Konto überweise. Die hervorstehenden Beckenknochen symbolisieren ihre offensiv gelebte Zwangsneurose, zwei Stiefmütterchen verwelken derweil in einem klardefinierten Alterungsprozess und schätzen an Sophie hauptsächlich ihre auf die soziale Unterschicht projizierte Komplexbeladenheit.

Ich möchte von ihr träumen und zwar so, dass es sich anfühlt, als wäre sie wirklich da und eine kompetente Erziehungsbevollmächtigung mit Zusammengehörigkeitsgefühl. Stattdessen schreit sie beim Ficken nach mir und erleidet unter der Absurdität ihrer Situation einen Nervenzusammenbruch.

Seine Liebe zur Drastik sei in Sophies psychosozialer Inkompetenz gestorben. Er wolle mit einem Glockenspiel operieren und mir zu meiner Karriere als glückliches Kind verhelfen.

Nachts dem Knacken der Holzdielen auszuweichen, um ihr unbemerkt die Nägel zu schneiden oder den alkoholisierten Schönheitsschlaf in Zuneigung umzuinterpretieren.

Als sie eines romantischen Morgens von ihrem Wortschatz profitiert und unsere Armut in den Schatten einer Dostojewskifloskel stellt, trinken wir Milch und stellen Gesundheit dar.

Die Sonne kitzelt einen Marienkäfer auf dem Fensterbrett zu Tode.

“Leni Erdnuss, siehst du? Ich spreche irgendwie wieder.”

“Ja, ganz hervorragend.”

“Wir können jetzt über tolle Vergewaltigungsfilme konferieren.”

Sie krächzt weinerlich und bohrt ihre Nägelchen in mein Rückrat.

“Kannst du dich die nächste halbe Stunde mal kurz verantwortlich für mich fühlen, Sophie?”

“Klar, warum nicht?”

“Weil ich mich jetzt umbringen werde.”
Ich suche hektisch nach der zuvor bereit gelegten Pistole und stelle sowohl ihren Verlust als auch die damit verbundene Peinlichkeit fest.

“Scheiße, wirklich. Tut mir Leid. Ich wollte uns nicht blamieren.”

27.2.07 23:06


In grobmotorischer Ideenvielfalt hat sie die aus zerbrochenen Tellern bestehenden Unannehmlichkeiten mit einem Handfeger beseitigt und mich durch eine spontanen Geste an den Mahagonitisch gebeten. Ich weiche herum liegenden Schnittverletzungen aus und diskriminiere die Ambivalenz eines intoleranten Realitätsbezug. Die von einer namhaften Persönlichkeit in den Kunstbegriff verpackte Langweile betitelt sich eigenständig als den vierundzwanzigsten Dezember und verschenkt durch Tesafilm fabrizierten Funkenflug; ich verblute an einem zerbrochenen Stückchen Balkontür. Ich ritze mir ein frühpubertäres Pentagramm in den kindlichen Handrücken, zerschneide die Peinlichkeit mit einer Textilschere in feinkategorisierte Zeitabschnitte und zeichne mit Lippenstift den momentanen Standpunkt unserer verkommenen Klimasituation in mein Universallexikon. Anhand visualisierter Brennpunkte entwickelt sich mein nicht vorhandenes Feingefühl zu einem guten Gewissen und frisst Thunfischtatar. Goethe fickt und anstelle des obligatorischen Menstruationsblut läuft Sophie ein bisschen Sperma die rötlichen Schenkel hinunter, schließt sich humorvoll zu einem Herz zusammen und stellt durch derart geballter Skurrilität die thematisierte Jugend zutiefst authentisch dar.

27.2.07 23:03


“Am Firmament brilliert der Glanz ihrer Solidarität.”

“Gustav starb in einem gestreiften Kleid an frühkindlichen Traumatisierungen und galt zuvor als manisch depressive Autistin mit überdurchschnittlichem Intelligenzquotienten.

Ihre Beerdigung gestaltet sich unkreativer als erwartet. Als Kondolenzsymbolik verkleidet tönt elektronischer Punk aus den zur Kapelle gehörigen Verstärkern; ein kleiner Mensch legt den Mitschnitt ihres Todes ans Grab, zwischen Manie und Depression wird es in dieser hellgrauen Klimasituation mit weißem Oleander bepflanzt.

Wäre das Leben ein Produkt schematisierter Schreibverfahren säße Gustav in diesem Zusammenhang lächelnd auf einer Wolke, mit einer Zigarette im Mundwinkel und genügend Optimismus zur Verkraftung ihres bevor stehenden Verwesungsprozesses.

Die Welt beruht nicht auf einer klar definierten Exposition. Gustav ist tot und die Todesanzeige ihrem Erziehungsbevollmächtigten ausschließlich das Geld für vierzehn Buchstaben wert.

Ich schlage den Lokalteil auf und habe nicht den Ehrgeiz, als Frosch oder Schnitzel aufzutreten.

Ich sah ihrem Vater bei einer ausgedehnten Vergewaltigung zu und begleitete Gustavs Leid derweil auf dem Jagdhorn. Das Prinzip dieser Vergewaltigungen bediente meine sexuellen Fantasien. Apathisch erblickte er den Bananenfleck auf meiner über dem Schreibtischstuhl hängenden Strickjacke.

Sie sah mich als Identifikationsfigur und kotzte bei Gelegenheit auf das Parkett meiner minimalistisch eingerichteten Wohnsituation, um in den Arm genommen zu werden. Sie fügte sich physische Schmerzen zu und ritzte frühpubertäre Pentagramme in ihren Handrücken, um den psychischen Schmerzen einen konsensfähigeren Ausdruck zu verleihen.

Ich traf Gustav eines Nachts auf dem Heimweg, als sie hinter einer Platane saß und ihren linken Arm verlor. Ihr Feuerzeug explodierte, als ich es ansah. Sie liebte mich von der ersten Sekunde an und erklärte mir derweil, dass dieser Moment einer aus einem Stummfilm entsprungenen Szene glich. Zwei Tiere sahen sich verliebt in die Augen und konnten sich im obligatorischen Endeffekt nicht daran erinnern, dass sie zwei Stunden kein einziges Wort miteinander gewechselt hatten. “

“Hast du sie geliebt?”

“Sie hätte einen reizenden kleinen Menschen abgegeben, der in meiner Wohnung herum sitzt und ein glückliches Familienleben darzustellen versucht, es herrscht Sommerschlussverkauf im Selbstbedienungsladen und der Filialleiter erzählt von ihrer psychosozialen Inkompetenz. Auch Gartenzwerge waren früher mal Menschen und wenn niemand hinsieht, laufen sie plötzlich hin und her. “

“Kennst du dieses Gefühl, wenn die Rippe plötzlich so runter geht und dann denkst du: Oh scheiße, jetzt will sie ne Treppe steigen?”

“Weiß nicht genau. “

“Als Gustav starb, weinte die Welt. Zum Zeichen ihrer Trauer tragen 97 % ihrer Klassenkameraden Oberteile mit ihrem von Blumen umrankten Gesicht. Tapfer, stark und gläubig marschieren sie in Einheit und taktvoller Treue. “

“Solidarisch wachen alle im Shuttlebus der Strategie. Die uns weh tun, muss man töten, das sah so gar das Opfer ein. Gustav sei umsonst gestorben und ohne klar definierten Hintergrund; als niedersächsische Profikillerin hatte sie auf einer skandalösen Pressekonferenz enden wollen und bis zum Suizid ausschließlich den Ruhm einer Verstorbenen geerntet. Spektakulär ist ihr Begräbnis, spektakulär war auch der Einschlag der Allianz der Regression.

Man schwor ihr lebenslange Treue, doch dass sie stirbt, wussten sie schon. “

“In gleißendem Kunstlicht verkündete Reue. “

 

Nach siebenundneunzig Minuten ist der Leichenschmaus vollzogen und der Fanclub reist ab. Wenn sich zwei Fleischfachverkäuferinnen in ihrer Gegenwart darüber glücklich zeigen, den kompletten Leberwurstbestand an einen einzigen Kunden verkauft zu haben, zweifelt die Autorin an Notwendigkeit und Aktualität dieses Textes. Wir trampen in die Lüneburger Heide oder stehen barfuß auf dem schmutzigen Boden einer improvisierten Tatsache herum, zerschneiden Pappkühe und fragen kurz zuvor: "Wie viel Blut soll denn heute in die Kuh?"

 

27.2.07 22:59


 Ich verschlucke mich an einer verfaulten KArotte und trage die dazugehörigen Konsequenzen in einem Plastikbeutel durch die Kastanienallee.

 Notiz an mich selber: Nasen. Nasen sind wichtig.

 „Die Kunstfotze betrachtet sich im Spiegel und erkennt die hinreißenden Gesichtszüge eines Mädchens, das gut mit Drogenexzessen umgehen kann. Sie streitet mit ihrem toten Freund über ein zerbrochenes Herz und kennt sich nicht aus mit narrativen Erzählstrukturen, da ihr Leben weder auf einer klar definierten Exposition beruht noch in irgendeiner Weise den Anforderungen an ein konsensfähiges Drehbuch zu entsprechen scheint.“
Mit der Schwärze eines abgebrannten Streichholzes zeichnet Erika lustlos ihre Initialen an die untapezierten Wände. Sie erzählt der Therapeutin von ihrem Zweifel.
„Theoretisch hätte ich an dieser Stelle eine Unterwasserbibliothek erwartet, zeugt das bereits von Schizoprenie oder so etwas?“
Die Therapuetin hat nicht genug Hintergrundwissen, um professionell auf den Kritikpunkt ihrer Patientin reagieren zu können. Sie bewahrt die im Studium erlernte Distanz und beginnt nach zweieinhalbe Stundes der ermüdenden Konversation zu diagnostizieren.
„Sie müssen lieben, Erika.“
„Wie jetzt? Lieben?“
„Na, lieben! Lieben, begehren. Und wenn das nicht klappt, dann Akupunktur.“
„Akupunktur?“
„Gut erkannt, Erika. Akupunktur, 200€ und Sie hüpfen am morgen erholter durch die Scheiße als sie sich das träumen lassen.“

27.2.07 22:55


Es war einmal ein Hund aus Marzipan und ich hab ihn gegessen und seine Freunde haben dann geweint und gesagt ach aber nein der arme Hund aus Marzipan was sollen wir bloß tun ohne ihn und ich habe gesagt haltet die Fresse ihr wehleidigen Zuckerärsche, lustig nicht, denn tatsächlich waren das Zuckerärsche, also das waren Ärsche aus Karamell.

Ich liege so unter dem Olivenbaum und versuche den Gestank des Meeres zu ignorieren als auf einmal ein elender ficksüchtiger Mann herkommt und fragt wo er hier am besten was zum Essen bekommt und ich sag ihm er soll die dritte Tür links nehmen und er nimmt die dritte Tür links und ich hab ihn nie wieder gesehen den elenden ficksüchtigen Mann im mittleren Alter, mittleren Einkommens und mittlerer emotionaler Intelligenz.

Es war einmal ein Olivenbaum aus Scheiße und ich hab ihn gegessen und seine Freunde haben dann geflennt wie gut erhaltene Witwen und gesagt ach aber nein der arme Olivenbaum aus Scheisse was sollen wir bloß tun ohne ihn alle Kredite laufen auf seinen Namen und ich habe gesagt haltet die Fresse ihr miesepetrigen Betonköpfe, lustig nicht, denn tatsächlich waren das Betonköpfe, also eben Typen mit Betonklötzen statt Kopf.

Ich liege so unter der Autobahnbrücke und geniesse den Gestank der vier Millionen Tonnen Thunfisch, Autos werden aus Thunfisch gemacht, als auf einmal ein kleines drogensüchtiges Mädchen herkommt und fragt wo sie hier am besten einen Hund aus Marzipan findet und ich sag: da drüben, kleines drogensüchtiges Mädchen, da drüben.

27.2.07 22:52


Er vergewaltigte mich zutiefst adrett.

In bezaubernder Pose zählte der Nazi siebenundzwanzig aus dem Zusammenhang heraus interpretierte Tierkadaver und zwang mir die Schönheit eines aus Glückseligkeit bestehenden Sonnenuntergangs auf. Er stritt um ein apathisches Blickfeld, verwechselte mich mit einem matschigen Eichhörnchenleichnam und ist verantwortlich für meine Angst vor Gebärmutterhalskrebs.

 

27.2.07 22:52


“Ich hab eine Frage an dich, aus karrieristischen Gründen.”

“Schieß los und so.

“Wurdest du vergewaltigt als du klein warst?”

“Warum kann man Karriere machen, wenn man als Kind vergewaltigt wurde?”

“So karrieristisch war die Frage gar nicht gemeint.”

“Ja.”

“Wie oft?”

“Zwölf Mal ungefähr.”

“Erzähl mir doch keinen Scheiß.”

“Und du?”

“Ich hab mich heute aus Versehen in dich verliebt. Tut mir Leid.”

27.2.07 22:51


Ein herzzereißendes Lämmchen steht in einer Bergsituation herum und wird von dem Sadisten in mir mit einer Brotschneidemaschine enthauptet.

Seit S. mir ihre frühkindlichen Traumatisierungen in die Fresse gefeuert hatte und ununterbrochen von getötetem Kleintier erzählt, fickten wir in illegalen Zusammenhängen bei Thunfischtatar und konferierten über den Schonbezug ihres Verlangens. Momentan verbringt sie die Freizeit in einem nougatfarbenen Abendkleid, frisst Zimtsterne und konfrontiert sich innerhalb eines anstrengenden Selbstfindungsprozess mit iher Vergangenheit. Ich ließ mir von einem soziologischen Forschungsteam die Wangenknochen zertrümmern und interpretierte ihr Mitleid am Krankenbett in Zuneigung um.

„Ich habe einen Spiralblock mit praktischer Ausreißhilfe erstanden...“

„Und warum genau, Leni?“

„Weil, wir wollen ausreißen.“

„Du und ich? Aber nicht, dass wir uns noch erschießen müssen oder so, weil diesem Text hier die Dramatik fehlt. Es gibt ja die verrücktesten Gründe.“

„Nein. Wir schauen aus dem Fenster nach herum liegenden Jobangeboten.“

„Und was ist mit dieser Zwangsbeschneidungsscheiße in Tansania?“

„Mir wird nie im Leben jemand glauben, dass ich eine zwangsbeschnittene Arbeiterin in der Eiswürfelfabrik meines getöteten Vaters bin, Liebes.“

27.2.07 22:51


Wir sitzen in einem Schrottplatzszenario herum und halten den pinken Cadillac für funktionstüchtig.

Im Autorradio läuft Nirvana mit einer derartigen Penetranz, dass mir die Kondolenzsymbolik zu Kurt Cobains Todestag fortan nicht mehr nachzuvollziehen ist. Wenn frühkindliche Traumatisierungen ausschließlich dazu da sind, um drittklassige Vorabendserien in ein sozialkritischeres Licht zu rücken und Jeanette Biedermanns Ausstieg mit dem vergewaltigungsbedingten Suizid ihrer Rolle zu legitimieren, kann ich D.'s damalige Therapieversuche als unnötig abstempeln. Er hatte sein Studium abgebrochen und mich mit einer aus selbigem übernommenen Taktik zu der Offenbarung meines bis dahin unkreativ verwalteten Elends bewegen wollen. Zu diagnostischen Zwecken sollte ich zwei Bäume und eine Allee an die untapezierten Wände seiner Praxis malen. Ich formte Hochhäuser aus einem Klumpen lilanen Knetgummis und er interessierte sich dafür, ob meine Mutter mich mit der geöffneten oder der geschlossenen Faust geschlagen hatte damals.

“Mit viel Schuldgefühl.”
“Du weißt, dass dein Verhalten mit dem Namen einer schwedischen Hauptstadt betitelt wird?” “Wollen wir nicht mal übers Baltikum reden?”

Wir werden vier Stunden und sechsundzwanzig Minuten schweigen. Danach rudern wir von Sirenengeheul begleitet in die Lüneburger Heide und verleihen unserem Optimismus einen neuen Anstrich.

27.2.07 22:50


Ich halte nichts von dieser "Mädchen kriegt eins in die Fresse und wird dann durchgefickt"-Ästhetik, das hat keinen Witz und ist nicht realistisch, wenn man von familiären Zusammenhängen ausgeht.

27.2.07 22:50


Unstrukturiert versinkt dein Leben in dem asphaltierten Rot unserer aufgelisteten Freitodmethoden. Der Pianist begleitet die Situation auf dem Jagdhorn und erblickt apathisch den Bananenfleck an meiner über deinem Schreibtischstuhl hängenden Strickjacke; wir kombinieren gemeinsam ein Kondolenzgesteck mit der filmreifen Ästhetik deiner siebenundzwanzig professionell geöffneten Arterien und tanzen auf dem Badewannenrand.

Ich träumte des Weiteren von einem herum rollenden Marienkäfer mit Partyhütchen und einer gewissen Artekolumnistin, die selbiges hingebungsvoll darzustellen versuchte. Der Marienkäfer symbolisierte das Glück und wurde kurz darauf von unserer viel strapazierten Brotschneidemaschine enthauptet. Der Weltuntergang scheint violett zu sein und silbrige Stäbe bohren sich in das als Erdboden eingeordnete Stückchen Hilflosigkeit. Hätte ich einen Psychoanalytiker, würde der sicher irgendwie euphorisch durch die Scheiße hüpfen bei all dem pessimistischen Scheiß.

27.2.07 22:49


Ich schlief in einer Wodkapfütze, zertrümmerte ihren Handknochen und räkelte mich in deiner Gegenwart graziös im Treppenhaus. Die Situation scheint dunkelgelb gewesen zu sein und unsympathisch. Jemand sang meinen Namen

Ich liebe dich so hoch und so tief meine Seele greifen kann.

27.2.07 22:49


Ich laufe allein und in schwarz durch das nächtliche München und vermisse derweil die drei daheimgebliebenen Menschen, die ich so liebe und in der Ledererstraße artet eine Massenschlägerei aus. Die Gauloises sind nicht rot momentan, sondern gelb, weil das erwachsener klingt und plötzlich steht einer vom Gesundheitsamt an der Bushaltestelle und sagt: "Bist du überhaupt schon 16? Du rauchst schließlich irgendwie und ich bin vom Gesundheitsamt."

Die Welt macht mich fertig.

"Nein, ich bin noch nicht 16, aber ich sehe aus wie zweiundvierzigeinhalb und meine offenen Schnürsenkel symbolisieren die Stolperanfälligkeit des modernen Menschen."

27.2.07 22:48


Die Welt geht nicht schnell unter, wie in Zombiefilmen oder was. Sie macht das subtiler, doch schmerzlicher. Ich fühle mich wie kalter Kaffee. Die Sekunden stechen in mich, wie kleine Nadeln, mit Drogen drin, in die Venen rein, die Ewigsekunden drücken meinen Kopf unter Wasser mit muskulösen Armen, ich strample, dann nichts mehr. Stille. Ist ein Geräusch. Das Geräusch, das mein Leben untermalt, wie so eine Titelmelodie, Der Pate oder solches. Aber wer hat das gemacht? John Williams? Gott? Ich? Hitler??
Ich laufe mit Atomkraft. Ich hinterlasse verbrannte Erde, wie Aliens, will doch nur nach Hause telefonieren, und zu Hause, Scheiße, wo ist das?
Es hat eine Träne. Läuft sie die Wange runter, durch verheertes Land, aua, lass das. Ist nicht nur My Girl, die Tränenzündung. Ich entscheide mich für den roten Draht - und explodiere. Meine Gedärme fliegen meilenweit, darin die Träume eingewickelt, wie traurig fickende Schweine, nur hässlicher. Am Ende heißt es Regenbogen. Am Ende heißt es, das Gefühl in Brieftaschen zu tragen und zu vergessen, wie man eine Vergewaltigung vergisst, so kaum wirklich, eher periphär, und Sex funktioniert nicht mehr nach Lehrbuch. Aua. Am Ende heißt es schweigen.

"- Willst du, dass wir noch einen zweiten Fisch kaufen?
- Nein. Er ist gern allein. Fische sind sehr anpassungsfähig."

27.2.07 22:48


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