schreckschuss.

Zwischen Raufaser und Wand klebt die Hoffnung fremder Leben.

Während Sophie sich die Textilschere in die Arterie zu rammen versucht um im dazugehörigen Anschluss Hühnersuppe auf dem Küchenboden zu fressen, stelle ich ihr die erste philosophische Frage unseres gemeinsamen Lebens:

“Wie verwalten wir unser Elend möglichst kreativ?”

Wir hängen gemeinsam unsere Herzen im Wohnzimmer auf und tanzen zu aus ihren nostalgischen Kindheitserinnerungen heraus gerissenem Punk. Sie antwort nie und kümmert sich stattdessen lieber um die Biologie performenden Plastikpflanzen im Vorratsschrank.

Sie hat Sex mit Scheißmenschen, während ich meine Unschuld auf ihr Konto überweise. Die hervorstehenden Beckenknochen symbolisieren ihre offensiv gelebte Zwangsneurose, zwei Stiefmütterchen verwelken derweil in einem klardefinierten Alterungsprozess und schätzen an Sophie hauptsächlich ihre auf die soziale Unterschicht projizierte Komplexbeladenheit.

Ich möchte von ihr träumen und zwar so, dass es sich anfühlt, als wäre sie wirklich da und eine kompetente Erziehungsbevollmächtigung mit Zusammengehörigkeitsgefühl. Stattdessen schreit sie beim Ficken nach mir und erleidet unter der Absurdität ihrer Situation einen Nervenzusammenbruch.

Seine Liebe zur Drastik sei in Sophies psychosozialer Inkompetenz gestorben. Er wolle mit einem Glockenspiel operieren und mir zu meiner Karriere als glückliches Kind verhelfen.

Nachts dem Knacken der Holzdielen auszuweichen, um ihr unbemerkt die Nägel zu schneiden oder den alkoholisierten Schönheitsschlaf in Zuneigung umzuinterpretieren.

Als sie eines romantischen Morgens von ihrem Wortschatz profitiert und unsere Armut in den Schatten einer Dostojewskifloskel stellt, trinken wir Milch und stellen Gesundheit dar.

Die Sonne kitzelt einen Marienkäfer auf dem Fensterbrett zu Tode.

“Leni Erdnuss, siehst du? Ich spreche irgendwie wieder.”

“Ja, ganz hervorragend.”

“Wir können jetzt über tolle Vergewaltigungsfilme konferieren.”

Sie krächzt weinerlich und bohrt ihre Nägelchen in mein Rückrat.

“Kannst du dich die nächste halbe Stunde mal kurz verantwortlich für mich fühlen, Sophie?”

“Klar, warum nicht?”

“Weil ich mich jetzt umbringen werde.”
Ich suche hektisch nach der zuvor bereit gelegten Pistole und stelle sowohl ihren Verlust als auch die damit verbundene Peinlichkeit fest.

“Scheiße, wirklich. Tut mir Leid. Ich wollte uns nicht blamieren.”

27.2.07 23:06
 


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